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Michael LENTZ view artist profile

Background

ZEICHNUNGEN /drawings

Statement

"In einer Zeit, in der Künstler "Kulturschaffende" heißen (die Vokabel stammt aus Goebbels propagandistischer Hexenküche) und einzig durch "Arbeiten" - also durch Kunstmache statt durch Werke - bekannt werden, in einer Zeit, in der künstlerisches Gedeihen einzig dem Geschlecht, der sexuellen Orientierung, der ethnischen Abstammung, dem Diplom einer Elite-Kunstschule - CalArts, GSA, Goldsmiths - und nicht zuletzt einem geopolitischen Schicksal mit mehrfachem migrantischem Hintergrund geschuldet ist, in einer Zeit, in der alles, was wie auch immer nach Denken und eigenen Ideen aussieht, verdächtig erscheint und Förderpreise und "residential years" ungleich wichtiger sind als alles, was im Atelier entsteht, in einer Zeit, in der eine Gang von ebenso vorlaut arroganten wie naiv ahnungslosen AkademikerInnen, KuratorInnen und PhilosophInnen gendergerecht vom Lehrstuhl herab definiert, was Kunst sei, in einer Zeit, in der deutsche Schriftstellerinnen der deutschen Sprache nicht mächtige Russinnen und Ukrainerinnen sind und Klassische Musik auf das schaumig kulinarische Segment camp-betonter gastro-sexueller Belcanto-Opern schrumpft, während Klangempfindungen allgemein nach den Kriterien von Gruppe, Album und Ballade abgehandelt werden, gemäss der Gretchenfrage "Stones oder Beatles?", in einer Zeit, in der die hippsten Künstler Deutschlands Hakenkreuze schmieren und Blubo-Sperrmüll auftürmen, in einer Zeit, in der Kunst absolut kindgerecht sein muss und ängstliche Museumsdirektoren ihren Caravaggio abhängen, weil Michelangelo Merisi unter Pädophilieverdacht steht, in einer Zeit, in der Museen unter dem Etikett "Zeitgenössische Kunst" exklusiv skatologische und koprophile Machwerke zeigen, weil die gemeine Scheisse das neue, in jeder Hinsicht quotengerechte Sperma ist, das beide Geschlechter und ihre Kinder gleichermaßen von sich geben, in einer Zeit, in der Gleichheit ausnahmslos als Nullnummer gehandhabt wird und der "abgehängte" europäische Mann ebenso oxymorisch wie post-diskriminatorisch als "notgeiler Schlappschwanz" gilt, in einer Zeit, in der liberales post-68-Kulturmanagement konsequent das Geschäft der Politik surrogiert, in einer Zeit, in der "posthuman" und "transgender" die einzigen kulturpolitischen Begriffe sind, die nicht miefig oder altbacken wären, in einer Zeit, in der nichts sexistischer und frauenfeindlicher ist als die Darstellung einer entkleideten Frau, derweil die Riege der europäischen Intellektuellen hinter locker vorgehaltenem linksprogressivem Feigenblatt davon träumt, die Tolokonnikova nach allen Regeln der Kunst zu vögeln, in einer Zeit …." Hinsdrup N. Dellarée, Zervikortikal, in: Post-Coutume No.2, 2014:113ff.